12/kunstakt

Unter dem Motto “Wer Recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben”, haben Cäcilia Brown, Matthias Bernhard, Theresa Eipeldauer, Pirmin Hagen, Sebastian Koch, Bartosz Sikorski, Stefanie Strouza, Annamaria Tatu und Sophie Tiller bei der Ausstellung am 24. November 2011 eine Serie von Kunstwerken geschaffen, welche unsere Kanzlei wieder für ein Jahr schmücken werden.

Ausgehend von einem Zitat Aristoteles stellen die eingeladen jungen KünstlerInnen in ihren Werken Fragen zu Themen wie menschliche Existenz, Macht, Systeme, Recht, Geld, Grenzen und Wahrnehmung. Über das Zweifeln und Fragestellen mittels künstlerischer Forschung entstehen neue „Felder“, welche in sich auch wieder eine gewisse Ordnung bilden. Gleichzeitig entstehen neue Welten, die man der banalen Realität entgegenhalten möchte.
Das Repertoire der künstlerischen Äußerungen reicht von klassischer Malerei, Fotografie und Siebdruck bis hin zu Installation und Videoanimation.

fwp möchte die Künstler auch beim Verkauf ihrer Kunstwerke unterstützen und steht für Auskünfte gerne zur Verfügung.

Matthias Bernhard

„Sarg mir Bescheid“, 2011
Acryl auf Leinwand
100x70cm

Preis: 1900 €

Wichtig ist ein prozessorientiertes Arbeiten: das Bild und die Form drängen sich auf und schälen sich heraus. Inhaltlich geht’s um Urzustände (Angst, Liebe, Tod, Ekstase) Urlandschaft und Farblandschaft, die im prozessorientierten Arbeitsakt ihre Entsprechung finden, sich ver-mehrt zu eigenen Bildpersönlichkeiten verdichten. Ein Schwank ins Komische ist ein Aufbäumen vor dem Unabwendbaren. Eine echte Aktivität und ein passieren lassen. Ein Dahinreiten, ein Prozess, eine Welle.
Automatismus, Raserei, just relax

Cäcilia Brown

„ohne Titel“, 2009
C-Prints,
70×100 cm, 54×80 cm

Preis: folgt

Einmal die Bushaltestelle, in deren Hintergrund eine Baustelle zu sehen ist. Verdeckt wird diese durch eine mit einer Fassade bedruckten Plane, einer Fassadenspiegelung.
Vor dem Hintergrund eines an die Wand gemalten Waldes stehen Baumstämme, die als Stützen für die Betonschalung verwendet werden. Eine Holztreppe über die ein vergilbter, abgenutzter Linoleum Boden mit Fischgrät-Parkett-Muster hinunterfließt. In allen diesen Bildern zeigt sich eine eigenartige Überschneidung von idealisierter Darstellung und alltäglicher Nutzung. Die Fotos stellen somit Begriffe wie Realität, Erwartung in Frage und ermöglichen uns Wahrnehmungsphänomene zu untersuchen.

Theresa Eipeldauer / Sebastian Koch

„ohne Titel“,  2011
Siebdruck
95×115 cm

Preis: folgt

Ein Spiel mit der Entwendung und Überlagerung unterschiedlicher Sujets und Tech-niken. Das großformatig aufgeblasene Zeitungsportrait eines Politikers (Nixon) wird in einzelne Teile zerlegt und bekommt im Zusammenspiel mit abstrakten, dynamisch und teils dreidimensional wirkenden Ebenen eine neue Funktion als gleichwertiges Kompositionselement zugewiesen.

Während das Portrait so seines auratischen Charakters entkleidet wird, vollzieht das Medium selbst die umgekehrte Bewegung: die Techniken der Druckgraphik werden nicht lediglich zur Vervielfältigung eines Sujets, sondern als eigenständiges maleri-sches Mittel eingesetzt, und das „Original“ ist nicht Ausgangspunkt, sondern Ergebnis des Druckprozesses.

Pirmin Hagen

„1:1“, 2011
Tiefdruck auf Papier (Landkarte), Sperrholz, Acryl
7 Teile je 60x80cm

Preis: folgt

Die Arbeiten von Pirmin Hagen beschäftigen sich mit Grenzen, Territorialansprüche, Landkarten, Raster, Pläne, Architektur, Okkupation des Raums, Selbstermächtigung, gebaute Realität, Wiederholungen, Grenzkonflikte.

Stefanie Strouza

“Die reale Abstraktion“
Siebdruck auf Papier
67×97 cm

Preis: 550€

“Die reale Abstraktion” nimmt als Ausgangspunkt die Materialität und besonders die visuellen Eigenschaften des Geldes. Der Titel steht im Bezug zu Abstraktionsprozes-sen, die während der realen Prozesse vom Warenaustausch stattfinden. Die Arbeit  verweist also auf die Wahrnehmung von Geld nicht als materielle Einheit, sondern eher als ein erhabenes, immaterielles Objekt. Die Prozesse der Vergrößerung und Reproduktion durch Mittel des Siebdrucks produzieren in den Arbeiten eine abstrakte visuelle Metaphorik. Diese Metaphorik bringt zum Vorschein, dass es ein komplizier-tes und grafisches Vokabular ist, was meistens im Finanzverkehr unbemerkt  bleibt.

Annamaria Tatu

„Clinical Files“,  2011
Buch Objekt, Mischtechnik
29,7×21 cm

Preis: 300-500€

Die klinische Erscheinung der Existenz gehört zu meinem künstlerischen Experimen-tierfeld. Aspekte des menschlichen Lebens, die unsere Wirklichkeit aufbrechen und zersplittern. Begebenheiten, die im Alltag unwillkürlich als ungewöhnlich dekodiert werden, wie Leiden, Trauma, Krankheit und Depression, sind in meinem Schaffen oft Ansatzpunkte für das Nachdenken. Zu verstehen ist dies nicht im Sinne einer Obsession mit dem Obskuren oder mit dem Unheimlichen, sondern als Infragestellung unseres Daseins, welches oft durch außergewöhnliche Bedingungen intensiviert wird.
Außerdem gilt mein Interesse auch den Grenzsituationen: was geschieht mit dem Bewusstsein, wenn es mit dem Unbehaglichen, Unmöglichen, Undenkbaren und Un-vorstellbaren konfrontiert wird? In meinen Arbeiten stelle ich Elemente unterschiedlicher Ebenen und Dimensionen gegenüber; Figuren werden unabweichbaren Situationen ausgesetzt; Spannung und Zwietracht sind die Triebfeder dieser Welten.

Sophie Tiller

„Der Parasit“, 2008-2011,
Fotografien 70×90 cm, gerahmt

Preis: 700€

Ausgangsmaterial: Naturkundebücher, Erde, Kapuzinerkresse, Tageslicht, Wasser, Wind – später dazugekommen: Flugsamen

Verwendet wurden Naturkundebücher vom Beginn des 20. Jahrhunderts. In diese wurden Löcher gebohrt, mit Erde befüllt und Kapuzinerkresse gepflanzt. In jedem Bild wird ein Durchgangsstadium gezeigt.
Wir sehen hier keinen Anfangs- und keinen Endpunkt sondern, verschiedene prozesshafte Versuchsanordnungen, die keine chronologische Abfolge zeigen.
Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Dokumentation, sondern um eine freie Interpretation der verschiedenen Stadien und Zustände. Es geht um das Hinterfragen von Ordnungssystemen und um den Wunsch des Menschen, alles aufzulisten und dadurch dauerhafte  Ordnungskriterien aufstellen zu können. Die Pflanzen ihrerseits erwachen zum Leben, verselbständigen sich, geraten außer Kontrolle –  der nicht vorhersehbare Prozess nimmt seinen Lauf. Dies steht für das Chaotische und Irrationale des Lebens mit seiner Alogik und Zufälligkeit.
Gepflanzt wurde Kapuzinerkresse, eine mehrjährige, widerstandsfähige und genüg-same Pflanze, die in ihrem Lebenszyklus Blüten und später Früchte bekommt.
Die erste Ansiedlung einer Lebensform ist hier nicht dem Zufall überlassen, sondern planmäßig initiiert.
Später sind andere Pflanzen -“Parasiten“ durch Flugsamen hinzu gekommen und verdrängen die Kapuzinerkresse in immer größerem Ausmaß.
Die pflanzliche Besiedelung bereitet den Lebensraum für die tierische Besiedelung vor (Würmer, Bakterien, Schnecken…).
In dieser Arbeit wird das Buch, die geistige Schöpfung eines Menschen und dadurch auch Lebendiges, mit tatsächlichen Lebewesen, den Pflanzen, verbunden.
Das Buch steht in dieser Arbeit symbolhaft für die kulturelle Leistung des Menschen, die über seinen Tod hinaus existiert und zur Grundlage neuer Transformationsprozesse wird. Auch der Körper bleibt noch eine Zeit lang bestehen, bis er irgendwann zur Grundlage von Pflanzen wird